13. September 2006 von mathias

"Dürfte ich jetzt auch mal ausreden?"

Gestern abend, 20:15, rbb: Das Duell. [Video]

Pflüger Wowereit

“Die beiden aussichtsreichesten Kandidaten auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin stellen sich den Fragen von Petra Lidschreiber.” Das hatte mir jedenfalls das Fernsehprogramm angekündigt.

Ein Spitzengespräch also. Was auf Bundesebene vergangenes Jahr so gute Quoten produziert hat, kann auch im Berliner Wahlkampf nicht so falsch sein. Es diskutieren: In der roten Ecke: Klaus Wowereit (67% der Berliner würden ihn direkt wählen, seine Partei liegt bei 33%). In der schwarzen Ecke: Friedbert Pflüger (ihn würden 19% direkt wählen, seine Partei steht bei 21%)

“Herr Pflüger, was schätzen Sie an Herrn Wowereit?”

Herr Pflüger zögert ein wenig, wackelt mit dem Kopf und findet dann, dass das eine schwere Frage ist. “Angenehm im Umgang” sei der Konkurrent. Dann ist der Angesprochene selbst dran, er lobt, dass Pfüger “die schwere Aufgabe” (gegen ihn zu kandidieren…) auf sich genommen habe. Wowereit redet noch drei, vier Sätze weiter, von der guten Arbeit des Herrn Pflüger, der sich “wacker geschlagen” habe. Wirkt alles ganz flüssig, ganz sympathisch, ganz Regierender Bürgermeister. Er hätte ebensogut sagen können:

“Herr Pflüger, dass Sie gegen mich keine Chance haben, ist ja klar. Nett, dass Sie’s versuchen, aber ich bleibe halt Wowi und Sie bleiben Friedbert Pflüger.”

Nachdem die Rollen bestätigt sind, ist Wirtschaftspolitik dran. Moderatorin Lidschreiber will zwar über konkrete Schritte zur Schaffung von Arbeitsplätzen reden, aber die beiden Männer finden die Ansiedlung von Unternehmen viel wichtiger und lassen sich auch von energischen Versuchen der Moderatorin, die Kontrolle über das Gespräch zurückzugewinnen, nicht abhalten.

Minutenlang werfen sich die beiden endlose Reihe von Unternehmensnamen an den Kopf, Wowereit rattert eine Reihe von Neuansiedlungen herunter, Pflüger hält dagegen, er habe eine ganze Liste von Investoren, die an ihn herangetreten seien…

“Soll ich jetzt sagen, ich hätte eine längere Liste als Herr Pflüger?” Der Bürgermeister dreht sich zum CDU-Kandidaten. “Seien Sie ehrlich. Sie haben keine Liste.”

Pflüger guckt ein wenig missmutig. Scheint frustriert, weil ihn Wowereit nicht ausreden lässt und er nicht dagegen halten kann. Er redet von den verlorenen Arbeitsplätzen der Rot-Roten Koalition.

“Das mag Ihnen jetzt irgendjemand aufgeschrieben haben. Sie kennen die Stadt nicht.”

Wowereit macht Stich um Stich. Ist ja langweilig. Konkret wird es sowieso nicht, weil die Fragen ziemlich allgemein formuliert sind und Moderatorin Lidschreiber sowieso keine Autorität hat. Vor einigen Wochen noch, bei einer ähnlichen Veranstaltung des Tagesspiegels, als die beiden Moderatoren ähnlich lang redeten wie die Duellanten, hatte Pflüger auf inhaltlicher Ebene überzeugender als der Amtsinhaber gewirkt. Klar, auch da wirkten seine Beiträge wie auswendig gelernt, auch da wirkte Wowereit souveräner, sympathischer - aber von Pflüger war man positiv überrascht.

Beim gestrigen Gespräch wollte das überhaupt nicht gelingen, der CDU-Mann war schon allein in seiner Wirkung allzu deutlich unterlegen - und nicht einmal mehr besonders kampfeslustig, als habe er eingesehen, was allen anderen schon seit Wochen klar ist:

Klaus Wowereit wird Regierender Bürgermeister bleiben.

Eine reine Show-Veranstaltung, haben wir ja eigentlich vorher gewusst. Die einzige wirklich spannende Entscheidung - wen wählen die Berliner als Koalitionspartner der SPD? Nach derzeitigem Stand könnte Wowereit zwischen Linkspartei und Grünen wählen.

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegels gibt es ein Duell zwischen Harald Wolf (Linkspartei) und Volker Ratzmann (Grüne). Das hätte doch spannend werden können - nur unterhalten sich die beiden die meiste Zeit über die WG, in der sie in den 80ern zusammen gewohnt haben.

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