Berliner Jugendliche würden Rot-Grün wählen
Beitrag von mathias, 12. September 2006
Die Testwahl der Initiative [1] U18 ergab eine komfortable Mehrheit für eine Koalition aus SPD und Grünen, die als zweitstärkste Kraft deutlich vor der CDU landeten.
Wahlberechtigt waren alle Berliner Jugendliche unter 18 Jahren (die meisten Wähler waren zwischen 14 und 16), Wahllokale waren Jugendclubs, Schulen, Sportvereine oder Straßenstände.
Auffallend ist das gute Abschneiden der NPD in einigen Bezirken - in Mahrzahn-Hellersdorf erreicht die Partei alarmierende 13 Prozent.
Mit 36,92% steht mit der SPD ein klarer Testwahlsieger fest - die Grünen erreichen 15,46%, die CDU liegt deutlich abgeschlagen auf dem dritten Platz (10,73%). Dahinter folgt die Linkspartei mit 8,09% - und als kleine Überraschung meistert die Tierschutzpartei die 5-Prozent-Hürde (5,56%). Die FDP ist mit 3,76% für die Jugendlichen politisch bedeutungslos. Die WASG läuft unter “Sonstige”
Die traditionellen Hochburgen finden sich auch im Votum der 13761 Teenager, die am Sonntag ihre Stimme abgeben haben, wieder:
Die Grünen überzeugten 43,38% der 0-18jährigen in Friedrichshain-Kreuzberg - das ist ziemlich genau Ströbeles Erststimmenanteil bei der Bundestagswahl (der für das Gesamtergebnis relevanten Zweitstimmenanteil lag allerdings nur bei gut 20%).
Auch die Tierschutzpartei kommt in diesem Bezirk auf überraschende 8,94%.
Die CDU wird in zwei Bezirken zweitstärkste Kraft (insgesamt wird sie nur in fünf zweistellig), in Neukölln und Spandau. Interessanterweise sind das Bezirke, in denen auch die SPD mit über 40% besonders stark ist.
In Mitte und Tempelhof-Schöneberg erreichen die Sozialdemokraten absolute Mehrheiten, die Linkspartei erreicht in ihrer Hochburg Lichtenberg auch bei den Berliner Jugendlichen mit 16,79% ihr Top-Ergebnis.
Schockierend ist das Absschneiden der NPD - das Gesamtergebnis von gut 4% ist schon schlimm - aber ein drei Bezirken ist der Stimmenanteil der Rechtsextremen so erschreckend hoch, dass Handlungsbedarf besteht.
Dass die drei Bezirke Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf ist wenig überraschend - die Prozentmarken der von 7,9, 9,84 und 13,65 sind es in diesem Ausmaß tatsächlich.
Die NPD würde also nach dem Willen der unter 18 in Marzahn-Hellersdorf zweitstärkste Kraft werden - das findet auch Schirmherr Momper “bestürzend”. Die Initiative U18 schränkt zwar ein, dass die meisten teilnehmenden Jugendclubs in den Plattenbaugebieten gelegen hätten und kaum Gymnasien teilgenommen hätten, dennoch bleibt das Ergebnis erschreckend.
Die 13,65% resultieren nicht aus rechtem Gequatsche im Freundeskreis, sondern aus 13,65% der Kreuze auf dem Stimmzettel der Testwahl - überhaupt teilzunehmen signalisiert schon ein, wenn auch noch so geringes, Interesse an Politik. Es geht also nicht um Jugendliche, die für demokratische Grundprinzipien völlig unempfänglich wären - gerade deswegen muss sich mit dem Testwahlergebnis auseinandergesetzt werden.
Es ist ein deutlich artikuliertes politisches Signal. Noch - in den Bezirken dürfen am 17. September erstmals 16jährige wählen.
Artikel-Link: http://jungwaehlerblog.wahlgangberlin06.de/u18_jugendwahl
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[1] U18: http://u18.org/